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Ein kühner Rettungsplan für das Kloster Reisach

Von weit her sichtbar ist das Kloster Reisach. Seit zwei Jahren seht es nun leer. Ein Kiefersfeldener Unternehmer will verhindern, dass es in die falschen Hände fällt. Fotos: re

von Karin Wunsam

Update (4.Oktober): Nach dem Start einer Unterschriften-Aktion von Stefan Schirmer tut sich schon einiges. Nach Veröffentlichung des Artikel auch auf Rosenheim Innformativ verzeichnete die Homepage zur Aktion bereits über 1000 Zugriffe. „Ich habe auch bereits 400 E-Mails von Menschen erhalten, die mein Vorhaben unterstützen wollen“, erzählt der Kiefersfeldener, der mit aller Macht verhindern will, dass Kloster Reisach in falsche Hände gerät.
Einem Artikel auf ovb-online.de zufolge will Pfarrer Hans Huber erreichen, dass die Klosterkirche für die großen Gottesdienste der Kuratie Niederaudorf-Reisach erhalten bleibt. Er wolle Kardinal Reinhard Marx um weitere Unterstützung bitten.
Aktuell ist die Kirche aus Sicherheitsgründen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
2019 gab es bereits schon einmal eine Unterschriftenaktion, um die Klosterkirche für die Allgemeinheit zu bewahren. Rund 3000 Unterschriften sind damals zusammen gekommen, weiß Stefan Schirmer: „Das waren damals zu wenig, um damit bei der Regierung etwas zu erreichen.“ Er will dieses Ergebnis darum nun unbedingt toppen. Wer seine Aktion unterstützen will – E-Mail an: ich-bin-fuers@Kloster-Reisach.Bayern

OberaudorfDas Kloster Reisach ist eines der Wahrzeichen des bayerischen Inntals. Vor zwei Jahren haben sich die letzten Karmeliten aus den altehrwürdigen Gemäuern verabschiedet und seitdem steht das Kloster leer. Seine Zukunft seitdem ungewiss. Für Stefan Schirmer steht fest: „Auf keinen Fall darf das Kloster in falsche Hände geraten“. Darum hat der Kiefersfeldener eine ehrgeizige Rettungsaktion gestartet, die nur gelingen kann, wenn er Gemeinde und möglichst viele Bürger zu sich ins Boot holen kann. Sein kühner Plan: gemeinsam das Kloster kaufen und sanieren. Ob das gelingen kann?

Stefan Schirmer vor dem Tor des Kloster Reisach.

Die Wurzeln des Kloster Reisach reichen bis 1732 zurück. Zuletzt haben Nachwuchsprobleme die fast 290 Jahre dauernde Geschichte des Karmeliten-Ordens an diesem Standort beendet. Danach wurde es still um das alte Gemäuer, nicht zuletzt weil es aufgrund eines Gutachtens des Staatlichen Bauamtes Rosenheim wegen Einsturzgefahr für eine weitere Nutzung gesperrt wurde.
Für Aufregung sorgte deshalb, als das Kloster Anfang August diesen Jahres für Dreharbeiten für die beliebte Krimi-Reihe „Tatort“ genutzt wurde. „Vereine und Gruppen konnten nicht verstehen, warum sie das Kloster nicht mehr nutzen dürfen, ein Fernsehteam aber schon“, erzählt Stefan Schirmer.

Wird das Kloster an
den Meistbietenden verkauft?

Daran lässt sich schon erahnen, wie sehr viele Inntaler an diesem Wahrzeichen hängen und dazu gehört auch Stefan Schirmer: „Es wäre schlimm, wenn das Kloster an irgendeinen Außwärtigen geht, beispielsweise einem Großkonzern, und der macht dann daraus irgend etwas, was überhaupt nicht zur Geschichte des Klosters passt und wodurch es dann auch für die Öffentlichkeit nicht mehr nutzbar ist.“ Tatsächlich könnte das passieren. Zumindest liegt dem Ingenieur ein Schreiben vom Staatlichen Bauamt Rosenheim vor, indem die weitere behördliche Vorgehensweise betreffend Kloster Reisach erörtert wird. Stefan Schirmer dazu: „Wenn die Gemeinde Oberaudorf oder der Freistaat keinen Bedarf für das Kloster finden, dann wird , wie grundsätzlich üblich, die Verwertung des Klosters über die Immobilien Bayern ausgeschrieben“. Das bedeute im Klartext: „Das Kloster wird an den Meistbietenden verkauft“.


Das will der Unternehmer aus Kiefersfelden unbedingt verhindern und deshalb hat er einen kühnen Rettungs-Plan erarbeitet. Er will die Kosten für Kauf und Sanierung – diese belaufen sich nach seiner Einschätzung auf mindestens 9 Millionen Euro – auf möglichst vielen Schultern verteilen. Interessierte Bürger sollen sich je einen Quadratmeter des Klosters kaufen können: „Dadurch legt man das Kloster Reisach langfristig in die Hände der Bevölkerung“.

Auch über die weitere Nutzung hat sich Stefan Schirmer bereits Gedanken gemacht. „Meines Erachtens hat Reisach nur eine Zukunft, wenn man geistliche, wirtschaftliche und wissenschaftliche Themen unter einem Dach vereint“, erklärt er. Platz wäre dafür ja genug vorhanden. Sein Plan: auf der geistlichen Seite der Aufbau eines Hospiz. „Dafür könnten auch die Patres der Karmeliten zurückkommen. Gespräche mit ihnen laufen bereits“.
Das im Jahr 2020 eröffnete Hospiz in Bernau, zuständig für die Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land, sei bereits jetzt viel zu klein. „Wirtschaftlich könnte ich mir in einem Teil von Kloster Reisach die Errichtung eines altersgerechten Wohnsitz auf Mietkaufbasis mit Rundumverpflegung vorstellen“, erklärt der 64-jähriger. Auch ein Klosterladen sei denkbar: „Das wäre sicher eine Bereicherung für die gesamte Region“.

Forschungslabor
für grünen Wasserstoff


Besonders am Herzen liegt dem Diplom-Ingenieur die wissenschaftliche Nutzung: „Ich selbst will ein Internationales Forschungslabor für grünen Wasserstoff auf dem Gelände errichten“. Zusammen mit einer Kufsteiner und einer Züricher Firma laufe bereits eine dementsprechende Bewerbung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. Bei Erfolg werde dieses Projekt dann mit mehreren Millionen vom Staat unterstützt.
Und nicht zuletzt soll das Kloster nach abgeschlossener Sanierung auch wieder der Bevölkerung, insbesondere der Dorfgemeinschaft Niederaudorf mit seinen Vereinen und Gruppen jederzeit offen stehen für verschiedenste Veranstaltungen.

Um weiter planen zu können, will Stefan Schirmer wissen, wie viele Inntaler hinter seinem „Klosterretter-Projekt“ stehen. Dazu hat er bereits eine Homepage angelegt. Außerdem können interessierte Bürger per E-Mail an ich-bin-fuers@Kloster-Reisach.Bayern mit ihm in Kontakt treten. Möglich ist eine Kontaktaufnahme auch per Postkarte oder Brief an: Klosterretter, Kufsteiner Str. 20, 83088 Kiefersfelden.

Um das Projekt zu schultern bedarf es Interessierte im vierstelligen Bereich, hat Stefan Schirmer ausgerechnet. Ist das der Fall, will er weitermachen und zusammen mit Unterstützern aus Bayern und Tirol versuchen, das Kloster für die Allgemeinheit zu kaufen und zu erhalten.




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